Strickjacke stricken: Anleitung mit Knopfleiste
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Eine selbst gestrickte Strickjacke mit Knopfleiste braucht ungefähr 800 Gramm Wolle, vier Wochen Stricken und genau ein bisschen mehr Geduld als ein Schal. Mit dem richtigen Plan und einer ehrlichen Maschenprobe machst du sie aber problemlos beim ersten Versuch — auch wenn du bisher nur Loops und Schals fertig hattest. Die Knopfleiste klingt fortgeschrittener, als sie ist.
Diese Anleitung führt dich durch die wichtigsten Entscheidungen: Garn, Größe, Schnitt, Knopfloch-Technik und die zwei kleinen Tricks, mit denen die Knopfleiste am Ende wirklich gerade fällt und nicht wellt.
Welche Wolle und Nadelstärke du brauchst
Für eine Strickjacke, die du täglich tragen willst, ist Merinowolle in Lauflänge 100 bis 125 Meter pro 50 Gramm das beliebteste Garn. Sie kratzt nicht, ist robust und lässt sich gut waschen. Etwas günstiger und ebenfalls bewährt ist eine Mischung aus Merino mit etwas Polyamid für mehr Strapazierfähigkeit.
Die Nadelstärke richtet sich nach dem Garn — meist arbeitest du mit Nadelstärke 4 bis 5 für ein normal dichtes Maschenbild. Für die Knopfleiste nutzt du dieselbe Nadelstärke, die Maschen aber etwas fester ziehen, damit sie nicht ausbeult.
Plane für eine Damenjacke in Größe 38 bis 42 mit etwa 600 bis 800 Gramm Wolle, für Größe 44 bis 48 mit 800 bis 1000 Gramm. Kauf lieber ein Knäuel zu viel als zu wenig — Nachkäufe sind oft Färbungs-Roulette, weil verschiedene Färbe-Lots sich minimal unterscheiden können.
Maschenprobe richtig machen
Klingt langweilig, ist aber der wichtigste Schritt. Strick ein Quadrat mit 25 Maschen und 30 Reihen im Hauptmuster, idealerweise glatt rechts. Wasch das Quadrat einmal, lass es trocknen und miss erst dann nach. Wolle verändert sich beim ersten Waschen oft um 5 bis 10 Prozent.
Zähle, wie viele Maschen und Reihen auf 10 mal 10 Zentimeter passen. Mit dieser Zahl rechnest du dann hoch, wie viele Maschen du anschlagen musst. Wer die Maschenprobe überspringt, hat am Ende eine Jacke für die kleine Schwester oder für die größere Nachbarin — kein Mittelmaß.
Schnitt und Größentabelle
Der einfachste Schnitt für die erste Knopfleisten-Jacke ist ein Raglan-Schnitt von oben gestrickt — du brauchst keine Nähte und kannst zwischendurch anprobieren. Alternativ funktioniert ein klassischer Schnitt mit Vorder- und Rückenteil plus eingenähten Ärmeln. Für Einsteiger ist Raglan deutlich entspannter.
| Größe | Brustumfang | Wolle |
|---|---|---|
| 34/36 | 82-88 cm | 600 g |
| 38/40 | 88-96 cm | 700 g |
| 42/44 | 96-104 cm | 800 g |
| 46/48 | 104-114 cm | 900-1000 g |
Plane bei der Länge 4 bis 5 Zentimeter Zuwachs ein, falls die Jacke nach dem Waschen schrumpft. Lieber zu lang stricken und nochmal abketten, als zu kurz und ärgern.
Schritt-für-Schritt zur Knopfleiste
- Korpus stricken: Strick die beiden Vorderteile und das Rückenteil komplett fertig bis kurz vorm Halsausschnitt. Lass die Maschen für die Knopfleiste noch offen auf einer Hilfsnadel.
- Maschen aufnehmen: Aus der Vorderkante des linken Vorderteils nimmst du gleichmäßig Maschen auf — die Faustregel: 3 Maschen aus 4 Reihen. So liegt die Leiste später glatt.
- Bündchen oder Rippe stricken: 5 bis 7 Zentimeter im Rippenmuster 2 rechts, 2 links. Das ist robuster als glatt rechts und verzieht sich nicht beim Waschen.
- Knopflöcher planen: Zähl deine Reihen und verteile 5 bis 7 Knopflöcher gleichmäßig. Das oberste sitzt 2 Zentimeter unter der Halsausschnittskante, das unterste 3 Zentimeter über dem Saum.
- Knopfloch stricken: An der markierten Stelle 2 Maschen abketten, in der Rückreihe 2 Maschen neu anschlagen. Das ist das klassische Loch in zwei Reihen.
- Knopfleiste rechts wiederholen: Das rechte Vorderteil ohne Knopflöcher genauso aufnehmen und stricken. Hier kommen später die Knöpfe drauf, exakt gegenüber den Löchern.
- Versäubern und Knöpfe annähen: Faden vernähen, leicht dämpfen und Knöpfe annähen. Tipp: häkele unter jeden Knopf einen Gegenknopf aus einem kleinen Stück Stoff oder Filz — das schont das Strickbild und der Knopf hält jahrelang.
Knopfwahl und Abstände
Knöpfe haben einen riesigen Einfluss auf die Optik. Für eine handgemachte Jacke wirken Naturmaterialien wie Holz, Horn oder Steinnuss am stimmigsten. Plastikknöpfe verflachen den Look — selbst wenn das Garn hochwertig war, sieht die Jacke dann nach Maschinenware aus.
Die Größe richtet sich nach der Jackenstärke: bei feiner Wolle 12 bis 15 Millimeter, bei Mittelstarke 18 bis 22 Millimeter, bei dicker Wolle 25 Millimeter und mehr. Probier den Knopf vorher durch dein Knopfloch — er sollte mit leichtem Widerstand durchgehen.
Pflege deiner fertigen Strickjacke
Wasch die fertige Jacke nur in lauwarmem Wasser mit Wollwaschmittel oder einem milden Shampoo. Maschinenwäsche nur auf dem expliziten Wollprogramm und höchstens 600 Umdrehungen schleudern. Zum Trocknen flach auf ein Handtuch legen und in Form zupfen — niemals auf den Bügel hängen, das zieht die Schultern auseinander.
Bei Pilling, also kleinen Wollkügelchen nach den ersten Tragetagen, helfen Wollkamm oder Pilling-Rasierer. Pulli kurz auf den Tisch legen und vorsichtig drüberkämmen. Nach drei bis vier Wäschen verschwindet das Pilling von allein.
Knöpfe regelmäßig nachfühlen — der erste lockere Knopf lässt sich in 5 Minuten festnähen, ein verlorener kostet eine Stunde Sucherei in der Knopf-Schublade. Eine selbst gestrickte Jacke begleitet dich locker zehn Jahre, wenn du diese Routine ernst nimmst.
Wenn etwas schiefläuft — Fehler retten
Selbst mit Maschenprobe passieren Patzer, vor allem an der Knopfleiste. Wenn die Leiste wellt, hast du beim Maschen-Aufnehmen meist zu viele Maschen aufgenommen — Faustregel war 3 aus 4 Reihen, oft schleicht sich aber 4 aus 4 ein. Lösung: Leiste auftrennen und neu mit weniger Maschen aufnehmen. Klingt nach Strafe, dauert aber nur eine knappe Stunde.
Sitzt die Knopfreihe schief, weil ein Knopfloch versehentlich eine Reihe versetzt liegt, kannst du das ohne Aufribbeln retten. Mach das schiefe Loch mit Faden zu, häkele oder strick es ordentlich neu in der richtigen Reihe nach — das Auge findet die unauffällige Stelle nach drei Wäschen sowieso nicht mehr.
Wenn ganze Reihen verstrickt sind, weil du eine Maschenabnahme vergessen hast, trenn die Wolle bis genau zur fehlerhaften Reihe auf und nimm die Maschen wieder auf die Nadel. Eine kurze Rundnadel hilft beim Wiederaufnehmen — sie biegt sich besser durch ungelernte Maschen als gerade Nadeln. Mit dieser Technik rettest du jede Strickjacke ohne komplette Auflösung.
Veröffentlicht durch die KreativMachen-Redaktion. Veröffentlicht am 18. Juli 2026.
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