Raglan von oben stricken: Pullover ohne Naht
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Warum Raglan von oben?
Ein Raglan-Pullover von oben (Top-Down) wird in einem Stück gestrickt: vom Halsausschnitt über die Schultern bis zum Saum. Es gibt keine Nähte, kein Zusammenstückeln, kein Anpassen von Einzelteilen. Das Ergebnis ist ein Pullover, der angenehm sitzt, weil er an keiner Stelle durch Nähte drückt oder zieht.
Der größte Vorteil: Du kannst den Pullover jederzeit anprobieren und die Länge anpassen, bevor du den Bund abkettest. Wenn die Ärmel zu lang werden, strickst du einfach weniger Runden. Das ist besonders wertvoll, wenn du für andere strickst und die Maße nicht hundertprozentig stimmen.
Die Maschenberechnung: Dein Startpunkt
Stricke zuerst eine Maschenprobe: 10 x 10 cm in glatt rechts mit deiner Wolle und deinen Nadeln. Notiere die Maschenanzahl pro 10 cm (z. B. 20 Maschen) und die Reihenanzahl (z. B. 28 Reihen). Diese Zahlen sind die Basis für alle weiteren Berechnungen.
Miss den Halsumfang des Trägers (oder nimm einen fertigen Pullover als Vorlage). Multipliziere den Halsumfang in cm mit deiner Maschenprobe: Bei 40 cm Halsumfang und 20 Maschen/10 cm brauchst du 80 Maschen. Teile diese auf: 4 Raglanlinien mit je 2 Maschen (= 8 Maschen) werden abgezogen. Die restlichen 72 Maschen verteilst du: 1/3 Rückenteil (24), 1/3 Vorderteil (24), je 1/6 pro Ärmel (12). Bei ungeraden Zahlen gibst du die Extra-Maschen dem Vorderteil.
Anschlag und Raglanlinien
Schlage die berechneten Maschen auf eine Rundstricknadel (80 cm Seil) an und schließe zur Runde. Platziere Maschenmarkierer an den 4 Raglanlinien-Positionen: vor dem 1. Ärmel, zwischen Ärmel und Rückenteil, zwischen Rückenteil und 2. Ärmel, zwischen 2. Ärmel und Vorderteil.
In jeder 2. Runde (Hinrunde) nimmst du an jeder Raglanlinie 2 Maschen zu: je 1 Masche vor und 1 nach dem Markierer. Das ergibt 8 Zunahmen pro Zunahme-Runde. Stricke die Zunahmen als verschränkte Maschen, damit keine Löcher entstehen. Die Rückreihen (bei Rundstricken: jede 2. Runde) strickst du ohne Zunahmen glatt rechts.
Ärmel abtrennen und Körper weiterstricken
Stricke die Zunahme-Runden so lange, bis die Ärmelmaschen die gewünschte Oberarmweite erreichen. Bei einem Damen-Pullover in Größe M sind das etwa 50-56 Maschen pro Ärmel. Probiere den Pullover an: Die Raglanlinie sollte auf der Schulter liegen, nicht dahinter oder davor.
Lege die Ärmelmaschen auf Maschenhalter oder Abfallgarn. Schlage unter jedem Arm 6-10 Maschen zusätzlich an (Achselmaschen für Bewegungsfreiheit). Verbinde Vorder- und Rückenteil und stricke den Körper als Schlauch weiter bis zur gewünschten Länge. Der Körper hat jetzt: Vorderteil + Rückenteil + 2 x Achselmaschen.
Ärmel stricken: Von der Schulter zum Bündchen
Nimm die wartenden Ärmelmaschen zurück auf die Nadel und nimm aus den Achselmaschen die entsprechenden Maschen auf. Stricke den Ärmel als Schlauch auf einer kürzeren Rundstricknadel (40 cm) oder mit dem Magic Loop.
Nehme alle 6-8 Runden je 2 Maschen ab (je 1 Abnahme links und rechts der Ärmelunterkante), bis du die gewünschte Handgelenkweite erreichst. Beende den Ärmel mit 3-5 cm Bündchen in 2-rechts-2-links-Muster. Wiederhole den Vorgang für den zweiten Ärmel – gleiche Rundenzahl für gleiche Länge.
Halsausschnitt und Bündchen veredeln
Der Halsausschnitt wirkt sauberer mit einem nachträglich gestrickten Bündchen. Nimm Maschen entlang der Halsöffnung auf (etwa 1 Masche pro Anschlagmasche) und stricke 2-3 cm in 1-rechts-1-links oder 2-rechts-2-links. Kette locker ab, damit der Hals über den Kopf passt.
Für den Saumbund strickst du 5-8 cm Bündchenmuster und kettest elastisch ab (z. B. mit der Jeny's Surprisingly Stretchy Bind-off Methode). Ein zu fest abgeketteter Saum rollt sich ein und sitzt unbequem. Wasche den fertigen Pullover in lauwarmem Wasser, drücke ihn sanft in ein Handtuch und lege ihn flach zum Trocknen – Spannen auf Maß (Blocken) sorgt für einen gleichmäßigen Fall.
Wolle und Nadeln: Die richtige Wahl
Für den ersten Raglan empfiehlt sich eine Wolle mit guter Maschenstruktur: Merino-Mix (z. B. Drops Merino Extra Fine, ca. 4 Euro/50 g) oder Baumwoll-Merino-Blend für Übergangs-Pullover. Rechne mit 300-400 g für einen Damen-Pullover in Größe M, je nach Garnstärke.
Die Nadelstärke bestimmt die Maschenprobe: Bei Nadelstärke 4 mm erzielst du mit den meisten DK-Garnen etwa 20-22 Maschen pro 10 cm. Nimm Rundstricknadeln mit flexiblem Seil – starre Nadeln machen das Rundstricken bei vielen Maschen zur Qual. Bambus-Nadeln (ca. 8-12 Euro) halten die Maschen besser, Metall-Nadeln (ca. 10-15 Euro) gleiten schneller.
Typische Fehler und Lösungen
Problem: Der Pullover ist zu weit. Lösung: Prüfe die Maschenprobe – oft strickt man in der Runde lockerer als in Hin- und Rückreihen. Stricke die Probe ebenfalls in der Runde oder nimm eine halbe Nadelstärke kleiner. 2 Maschen pro 10 cm Unterschied ergeben bei einem Pullover 10-15 cm mehr Brustumfang.
Problem: Löcher an den Raglanzunahmen. Lösung: Stricke die Zunahmen verschränkt (Masche von hinten aufnehmen). Problem: Der Halsausschnitt ist zu weit. Lösung: Stricke die ersten 2-3 cm mit verkürzten Reihen (Short Rows) nur über das Rückenteil, um den hinteren Hals anzuheben. Das gibt einen besseren Sitz und verhindert, dass der Pullover nach hinten rutscht.
Veröffentlicht durch die KreativMachen-Redaktion. Veröffentlicht am 7. Juli 2026.
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