Intarsienstricken: Bilder und Motive einarbeiten
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Ein 20 mal 20 cm grosses Motiv im Intarsienstrick braucht je nach Komplexitaet 6 bis 14 separate Garnknaeuel, die alle gleichzeitig im Spiel sind. Bei einem Pullover mit zwei Hirschen vorn und hinten reden wir schnell ueber 24 Knaeuel auf einer Reihe. Wer das ohne Vorbereitung anfaengt, verbringt mehr Zeit mit Garn-Entwirren als mit Stricken. Genau darum scheitern viele Intarsien-Projekte schon nach zehn Reihen.
Intarsienstricken (auch Bildstricken) unterscheidet sich grundlegend von Fair-Isle. Bei Fair-Isle laeuft der nicht aktive Faden hinter dem Stoff weiter, bei Intarsien wird er an der Farbgrenze stehen gelassen, beim Wechsel mit dem neuen Faden verkreuzt und dann fortgesetzt. Das Ergebnis: deutlich elastischer als Fair-Isle, kaum Spannung, geeignet fuer grossflaechige, scharf abgegrenzte Motive.
Wann Intarsien, wann Fair-Isle
Faustregel: Wenn die Farbflaeche groesser ist als 5 cm, sind Intarsien die richtige Wahl. Bei kleineren Mustern (Punkte, Streifen, geometrische Wiederholungen) ist Fair-Isle effizienter, weil die Spannfaeden hinter dem Stoff nicht lang werden und keine grossen Garnspulen noetig sind. Bei einem grossen Hirsch, einem Apfel oder einem Buchstaben sind Intarsien Pflicht.
Faden-Verbrauch: Intarsien brauchen pro Farbflaeche eine eigene Garn-Quelle. Eine 5 mal 5 cm Flaeche im Pulli verbraucht je nach Nadelstaerke 4 bis 8 g Wolle. Bei einem komplexen Motiv mit 12 Farbflaechen sind das 60 bis 100 g Restgarn-Verbrauch fuer das Motiv allein, plus die Grundfarbe.
| Motivart | Empfohlene Technik | Anzahl Garn-Quellen |
|---|---|---|
| Streifen, geometrisch | Fair-Isle, Schraegmuster | 2 bis 3 |
| Punkte unter 3 cm | Fair-Isle | 2 pro Reihe |
| Buchstaben, kurze Worte | Intarsien | 1 plus 1 pro Buchstabe |
| Tiere, Pflanzen, Bilder | Intarsien | 6 bis 14 |
| Mehrfarbige Bordueren | Intarsien, Fair-Isle | 3 bis 5 |
Vorbereitung: Garnspulen und Knaeuel
Die wichtigste Vorbereitung: nicht mit grossen Knaeueln arbeiten, sondern mit kleinen Garnspulen oder Bobbins. Plastikbobbins (Hobby-Bedarf, 5 Euro fuer 20 Stueck) wickeln du mit jeweils 2 bis 5 Meter Garn auf. Das reicht meist fuer einen Bereich. Wenn der Bobbin leer ist, wird neu angeknotet.
Alternative: aus Pappe selbst geschnittene Mini-Spulen, ca. 4 mal 6 cm. Funktioniert genauso. Wichtig: Jede Spule bekommt EINE Farbe, eindeutig zuordbar. Bei komplexen Motiven mit drei Brauntoenen markierst du die Spulen mit Marker oder Klebepunkten. Verwechslungen zerstoeren stundenlange Arbeit, weil Korrekturen nur durch Aufribbeln moeglich sind.
Die Farbwechsel-Technik
An der Farbgrenze passiert das Entscheidende: Der alte Faden bleibt links, der neue Faden kommt von rechts unter dem alten durchgezogen. Diese Verkreuzung verhindert ein Loch zwischen den Farben. Wer das ueberspringt, hat in seinem fertigen Strickstueck zwischen jedem Farbwechsel einen Spalt, durch den man durchsehen kann.
Detail-Schritt: Den alten Faden links auf die linke Stricknadel legen, den neuen Faden von rechts darunter holen, dann mit dem neuen Faden weiter stricken. Beim naechsten Hin- und Rueckgang, also auf der Rueckseite, machst du das Spiegelbild: alten Faden rechts ablegen, neuen Faden von links darunter holen. Beide Faeden sind so eingehakt und ziehen sich gegenseitig dicht.
Strickschemata lesen
Intarsien-Motive werden als kariertes Schema gezeichnet, ein Karo entspricht einer Masche. Du strickst von unten nach oben, von rechts nach links auf der Hinreihe, dann von links nach rechts auf der Rueckreihe. Das Schema spiegelt sich also auf der Rueckseite, was viele Anfaengerinnen verwirrt.
Praxis-Tipp: Markiere im Schema die Reihen, die du stricken willst, mit einem Lineal. Klebe Klebestreifen unter die aktuelle Reihe, du siehst dann immer nur die naechste Reihe, nicht die ganze Flaeche. Das reduziert Konzentrationsfehler erheblich. Zaehl jede zehnte Reihe nach: Stimmt die Maschenzahl im Motiv noch? Abweichungen muessen sofort korrigiert werden.
Probleme und Loesungen
Spannung an der Farbgrenze: Wenn der Stoff sich an den Farbwechseln zieht, ist der neue Faden zu fest. Lockere die Spannung an den ersten zwei Maschen nach dem Wechsel, ziehe nicht stramm an. Loecher: Das Verkreuzen wurde uebersehen oder zu locker gemacht. Beim naechsten Mal bewusst die Faeden hochhalten und gegenseitig spannen.
Verworrene Knaeuel: Das passiert, sobald du mehrere Reihen hin und her gestrickt hast. Drehe die Stricknadel oder das Strickstueck nach jeder Reihe nicht in die gleiche Richtung. Wechsle die Drehrichtung, sodass sich die Faeden nicht alle in dieselbe Richtung verschlingen. Bei sehr komplexen Motiven helfen Faden-Wickler oder kleine Klipp-Klemmen, die einzelne Faeden auseinander halten.
Endbearbeitung: Faeden vernaehen
Nach Abschluss des Motivs haengen auf der Rueckseite Dutzende Garnenden herunter. Jedes wird vernaeht, das ist der zeitaufwendigste Teil des Projekts. Plane pro Faden 2 bis 3 Minuten, also bei 30 Faeden eine bis anderthalb Stunden Aufwand am Ende. Vernaehe jeden Faden in Richtung seiner eigenen Farbe, niemals in eine andere Farbe, sonst scheint die Spur durch.
Mit einer stumpfen Wollnadel den Faden 3 bis 4 cm durch die hinteren Maschenglieder ziehen, einmal Richtung wechseln, weitere 2 cm ziehen, dann abschneiden. Wechsel der Richtung verhindert, dass der Faden sich beim Tragen wieder herauszieht. Bei dichteren Garnen reichen 3 cm, bei Lace-Garn besser 5 cm.
Einsteiger-Projekt zum Ueben
Beim ersten Intarsien-Versuch nicht direkt einen Pullover anschlagen. Stricke ein quadratisches Kissen 40 mal 40 cm mit einem einfachen Motiv: ein Buchstabe, ein Herz oder ein Stern. Das Motiv sollte 12 bis 18 cm breit sein, in der Mitte des Quadrats. Damit lernst du Bobbin-Handling, Farbwechsel und Schema-Lesen, ohne dass eine Verformung am Koerper sichtbar wird.
Materialaufwand: rund 200 g Wolle in zwei oder drei Farben, plus Kisseninlett (12 Euro). Strickzeit: 15 bis 25 Stunden, je nach Geschwindigkeit. Das Ergebnis ist ein verwertbares Kissen plus die Sicherheit, dass du Intarsien beherrschst, bevor du in ein 80-Stunden-Pulloverprojekt startest.
Was sich in der Praxis bewaehrt
Beim ersten Intarsien-Pullover ueberschaetzen Anfaengerinnen die Geschwindigkeit. Ein Motiv von 20 mal 20 cm braucht ungefaehr drei bis vier Mal so lange wie eine gleiche Flaeche in glattem Strick. Ein Pullover mit grossem Motiv vorn und hinten kostet schnell 80 bis 120 Stunden Strickzeit, das ist normal. Plane das ein, dann ueberraschet dich nichts. Was funktioniert: kleine Spulen statt grosser Knaeuel, Schema mit Lineal abdecken, an jeder Farbgrenze bewusst verkreuzen. Das sind die drei Hebel, an denen Intarsien-Projekte stehen oder fallen.
Veröffentlicht durch die KreativMachen-Redaktion. Veröffentlicht am 25. Juni 2026.
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