Terrazzo-Optik im DIY: Untersetzer und Tabletts giessen
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Terrazzo ist überall — vom Concept-Store über Wohnzeitschriften bis ins Pinterest-Feed. Die typische "Glasplitter-im-Stein"-Optik liegt seit Jahren im Trend und ziert Untersetzer, Tabletts, Vasen und Schalen. Was die wenigsten wissen: Du kannst Terrazzo-Stücke in der eigenen Küche gießen, mit Materialien aus dem Bastelladen, in 45 Minuten reiner Arbeitszeit.
Der Trick steckt nicht im Original-Terrazzo (das ist Beton mit Marmorsplittern), sondern in modernen Kreativwerkstoffen wie Jesmonite oder Kreativbeton. Die sind ungiftig, härten in 30 Minuten aus und nehmen jede Farbe sauber an. Hier kommt die komplette Anleitung vom Materialeinkauf bis zum fertigen, glänzenden Untersetzer.
Was Terrazzo eigentlich ist
Original-Terrazzo entstand in der italienischen Renaissance, als Steinmetze Marmorabfälle in Mörtel einbetteten und die Oberfläche glatt schliffen. Das Ergebnis war ein robuster Bodenbelag mit Marmor-Optik zum Bruchteil des Preises. Heute siehst du diese Böden in italienischen Villen oder in jedem zweiten Boutique-Hotel.
Für DIY-Projekte greift man nicht zu echtem Marmor, sondern zu farbigen Inlays aus dem gleichen Gussmaterial. Du gießt zuerst kleine bunte Plättchen, brichst sie in unregelmäßige Stücke und bettest diese dann in eine zweite Gussmasse ein. Das Ergebnis sieht aus wie echter Terrazzo — kostet aber nur einen Bruchteil und lässt sich farblich komplett individuell gestalten.
Es gibt zwei Hauptmaterialien zur Wahl: Jesmonite (englisches Markenprodukt, sehr fein und glatt) oder Kreativbeton (deutsche Marken wie "Rayher" oder "Viva Decor", etwas körniger). Beide funktionieren, beide sind ungiftig, beide kannst du in der Küche verarbeiten. Jesmonite ist die "edlere" Wahl, Kreativbeton der günstigere Einstieg.
Materialliste und Werkzeug
Für den Einstieg lohnt sich ein Starter-Set Kreativbeton — du bekommst alles Wichtige in einer Packung. Wenn du auf Jesmonite umsteigst, sind die Stückkosten höher, das Ergebnis aber feiner. Beide brauchen kein offenes Feuer, keinen Ofen und keine professionelle Werkstatt.
| Material | Menge | Kosten |
|---|---|---|
| Kreativbeton (Viva oder Rayher) | 1 kg | 12 € |
| Acrylfarbe (3–4 Farben, z. B. Senf, Rosé, Schwarz) | je 75 ml | 9 € |
| Silikon-Gießformen (rund, eckig, sortiert) | 2–3 Stück | 15 € |
| Einweg-Mischbecher | 10 Stück | 3 € |
| Holzspatel oder Eisstiele zum Rühren | 10 Stück | 2 € |
| Schleifpapier Körnung 240 + 400 | je 2 Bögen | 3 € |
| Klarlack oder Versiegler matt | 125 ml | 8 € |
| Filzgleiter (für Untersetzer) | 1 Bogen | 3 € |
| Gesamt | 55 € |
Aus dieser Materialmenge gießt du ungefähr zwölf Untersetzer oder vier mittlere Tabletts. Pro Stück landest du also bei rund 4 bis 5 Euro Materialkosten. Im Concept-Store kosten vergleichbare Untersetzer 20 bis 30 Euro — die Marge zwischen DIY und Verkaufspreis ist beachtlich.
Schritt-für-Schritt-Anleitung Untersetzer
Plane für das Projekt zwei Tage ein. Tag eins: Farbchips gießen, 24 Stunden trocknen lassen. Tag zwei: Chips brechen, Untersetzer gießen, abschleifen, versiegeln. Reine Arbeitszeit zusammengerechnet etwa 90 Minuten — der Rest ist Wartezeit, in der du anderes machen kannst.
- Schritt 1 — Farbchips gießen: Mische 100 Gramm Kreativbeton-Pulver mit Wasser nach Packungsanleitung. Teile die Masse auf vier Becher auf, gib in jeden Becher eine andere Acrylfarbe (3 bis 5 Tropfen). Gieße die farbigen Massen flach in eine ungenutzte Silikonform oder auf ein Backpapier. Schichthöhe maximal 5 Millimeter.
- Schritt 2 — Trocknen lassen: Lass die Chips 24 Stunden bei Raumtemperatur aushärten. Sie sind fertig, wenn sie sich kalt anfühlen und beim Aufdrücken keinen Eindruck mehr nehmen. Direkte Sonneneinstrahlung vermeiden — die Farben verblassen.
- Schritt 3 — Chips brechen: Zerbrich die Chips in unregelmäßige Stücke von 5 bis 15 Millimetern Größe. Verwende dafür einen kleinen Hammer und ein Stoffstück als Schutz, oder breche sie einfach mit den Händen. Mehrere Größen mischen sieht authentischer aus.
- Schritt 4 — Untersetzer gießen: Mische 60 Gramm Kreativbeton mit Wasser an. Streue die Hälfte der Chips in die Silikonform für den Untersetzer. Gieße die weiße Masse darüber, klopfe die Form leicht auf den Tisch (Luftblasen). Streue restliche Chips auf, gieße kleine Mengen Masse nach.
- Schritt 5 — Trocknen und ausformen: Lass 30 Minuten antrocknen und dann 4 bis 6 Stunden komplett aushärten. Drücke den Untersetzer vorsichtig aus der Form. Die Oberfläche ist jetzt noch matt und rau — das ändert sich beim Schleifen.
- Schritt 6 — Schleifen und versiegeln: Schleife die Oberfläche zuerst mit 240er, dann mit 400er Körnung — die Farbchips werden glatt und sichtbar. Wische den Staub ab und trage mit einem Pinsel eine dünne Schicht Klarlack auf. Filzgleiter auf die Unterseite kleben, fertig.
Vom Untersetzer zum Tablett
Sobald du die Technik im Griff hast, sind größere Projekte logische nächste Schritte. Tabletts mit 20 × 30 Zentimetern lassen sich genauso gießen — nur die Mengen sind größer. Verwende rechteckige Silikon-Backformen oder bestelle dir spezielle Tabletform aus Silikon online (ab 20 Euro).
Bei größeren Stücken steigt der Wasseranteil in der Mischung leicht — sonst wird die Masse zu zäh, um Luftblasen austreten zu lassen. Halt dich an die Mischungsverhältnisse auf der Packung und gieße in zwei Schichten: erst die untere Hälfte, fünf Minuten antrocknen lassen, dann die obere Hälfte mit Chips. Das verhindert, dass alle Chips nach unten sinken.
Für Tabletts brauchst du zusätzlich Griffe — kleine Lederbänder oder Metallgriffe aus dem Möbelbaumarkt. Bohre zwei Löcher in die ausgehärtete Masse mit einem 6-Millimeter-Steinbohrer, schraube die Griffe von oben fest. So entsteht ein Designer-Tablett, das im Concept-Store leicht 60 Euro kostet, dich aber nur 8 bis 10 Euro Material gekostet hat.
Typische Stolperfallen vermeiden
Beim ersten Projekt passieren meistens dieselben drei Fehler — wenn du sie kennst, kannst du sie umgehen. Erstens: Die Mischung wird zu flüssig, weil zu viel Wasser dazu kommt. Halte dich strikt an die Packungsanweisung und wiege beide Komponenten mit der Küchenwaage ab. Augenmaß funktioniert hier nicht.
Zweitens: Luftblasen bleiben in der Masse stecken und entstehen beim Schleifen als kleine Löcher in der Oberfläche. Klopfe die gefüllte Form mehrfach kräftig auf den Tisch, idealerweise auf ein gefaltetes Handtuch — das treibt die Blasen nach oben. Bei größeren Stücken hilft auch ein kurzer Vibrationsstoß mit dem Stabmixer (ohne Aufsatz) seitlich an der Form.
Drittens: Die Chips sinken alle nach unten, weil die Trägermasse zu dünn ist. Gieße in zwei Schritten — erst eine Grundschicht (5 mm), dann die Chips drüber, dann die Hauptschicht. So bleiben die Chips dort, wo du sie haben willst. Wenn die erste Charge mal nicht perfekt wird: macht nichts, die nächste ist gratis, weil du das Material schon hast.
Pflege und Verschenken
Versiegelte Terrazzo-Stücke pflegst du mit feuchtem Tuch — keine aggressiven Reiniger, keine Spülmaschine. Bei Untersetzern unter heißen Tassen reicht die Hitzebeständigkeit problemlos, sie ersetzen aber keine Topfuntersetzer für ofenheiße Pfannen. Halte das im Hinterkopf, wenn du sie verschenkst.
Apropos verschenken: Selbstgemachte Terrazzo-Untersetzer sind eines der besten DIY-Geschenke überhaupt. Sie sehen professionell aus, kosten dich kaum etwas und sind durch und durch persönlich. Drei bis vier Untersetzer in einer Geschenkbox mit handgeschriebener Karte — das ist ein Geschenk, das jeder gern bekommt, weil es nirgendwo sonst zu kaufen ist.
Wenn du in Serie gießen willst — etwa für einen kleinen Etsy-Shop oder den Weihnachtsmarkt — investiere in eine Silikon-Form mit mehreren Mulden gleichzeitig. Damit gießt du sechs Untersetzer parallel und kommst pro Stunde reiner Arbeitszeit auf 12 bis 18 fertige Stücke. So wird aus dem Wochenend-Hobby ein kleiner Nebenverdienst — falls dich das reizt.
Veröffentlicht durch die KreativMachen-Redaktion. Veröffentlicht am 29. Juni 2026.
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