Lederetui nähen: Stiftemäppchen aus einem Stück
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Materialien und Werkzeug
Für ein Stiftemäppchen (ca. 20 x 8 cm fertig) brauchst du ein Stück pflanzlich gegerbtes Leder (vegetabil gegerbt, 1,2-1,5 mm stark) in der Größe 20 x 22 cm. Vegetabil gegerbtes Leder bekommst du bei Lederhandlungen online für 15-25 Euro pro Stück in A4-Größe – genug für 2 Etuis. Dazu benötigst du: gewachsten Leinenfaden (0,6 mm, ca. 5 Euro/Rolle), 2 stumpfe Sattlernadeln, eine Lochzange oder Nahtrillenstecher (Pricking Iron, 3 mm Abstand), ein Metalllineal und einen Cutter.
Optional aber empfehlenswert: Kantenverrunder (Edger, ca. 6 Euro) zum Anfasen der Lederkanten und Tokonole oder Gummi Tragacanth (ca. 8 Euro) zum Polieren der Kanten. Ein einfacher Druckknopf (Snap-Verschluss) oder ein Stück Lederband als Wickelverschluss rundet das Projekt ab.
Zuschnitt und Vorbereitung
Schneide das Leder mit Lineal und Cutter auf 20 x 22 cm zu. Die 22 cm Höhe teilen sich auf: 8 cm Vorderklappe + 8 cm Rückseite + 6 cm Bodenfalte. Markiere die Faltlinien mit einem stumpfen Ritzwerkzeug (Knochen oder Kugelschreiber ohne Mine) auf der Fleischseite – das erleichtert das saubere Falten.
Runde die Ecken der Vorderklappe mit einer Münze als Schablone ab – ein 2-Euro-Stück gibt einen schönen Radius. Schneide die Rundung mit der Schere und glätte sie mit feinem Schleifpapier (400er Korn). Feuchte die Faltlinien mit einem nassen Finger leicht an und falte das Leder probeweise zusammen, um die Form zu prüfen.
Löcher stechen und Naht vorbereiten
Ritze mit dem Nahtrillenstecher eine Führungslinie 3-4 mm vom Rand entfernt auf beiden Seitenklappen. Setze mit dem Pricking Iron (Nahtlocher) gleichmäßige Löcher entlang der Linie: Halte das Werkzeug senkrecht, klopfe mit einem Holzhammer und achte darauf, dass die letzte Zinke immer im vorherigen Loch sitzt, damit der Abstand konstant bleibt.
Schneide einen Faden, der dreimal so lang ist wie die Nahtlänge (für eine Seite ca. 30 cm Naht = 90 cm Faden). Fädele an jedem Ende eine Sattlernadel ein: Steche durch die letzten 3 cm des Fadens, ziehe die Nadel durch und verdrehe den Faden leicht, damit er hält. Du arbeitest nun mit zwei Nadeln gleichzeitig – das ist die Grundlage des Sattlerstichs.
Der Sattlerstich: Beide Seiten gleichzeitig nähen
Steche die erste Nadel von der Rückseite durch das erste Loch. Ziehe den Faden bis zur Mitte, sodass auf beiden Seiten gleich viel Faden hängt. Steche jetzt Nadel A von vorne durch das zweite Loch, dann Nadel B von hinten durch dasselbe Loch – aber hinter dem Faden von Nadel A, damit die Stiche sich nicht kreuzen.
Ziehe beide Fäden gleichmäßig straff. Wiederhole diesen Vorgang für jedes Loch: A von vorne, B von hinten, immer B hinter A. Der Sattlerstich ergibt auf beiden Seiten eine identische, saubere Nahtlinie. Am Ende stichst du 2-3 Löcher zurück, um den Faden zu sichern, und schmelze die Enden mit einem Feuerzeug leicht an (bei Leinenfaden) oder verklebe sie mit einem Tropfen Lederkleber.
Kantenfinish und Verschluss
Die Schnittkanten des Leders sehen roh aus und fühlen sich rau an. Fahre mit dem Kantenverrunder (Edger) in einem 45°-Winkel über alle offenen Kanten – das entfernt die scharfe Kante und bereitet die Oberfläche zum Polieren vor. Trage Tokonole oder Gummi Tragacanth dünn auf die Kante auf und reibe sie mit einem Stück Segeltuch oder dem Holzgriff eines Werkzeugs schnell hin und her.
Durch die Reibungswärme verschmilzt das Kollagen im Leder und bildet eine glatte, glänzende Kante. Wiederhole den Vorgang 2-3 Mal für ein optimales Ergebnis. Für den Verschluss bohrst du ein Loch in die Mitte der Vorderklappe und der Rückseite und setze einen Druckknopf mit der Lochzange. Alternativ stanze ein Loch in die Klappe, fädele ein 30 cm langes Lederband durch und wickle es zum Verschließen um einen auf die Rückseite genieteten Knopf.
Personalisierung und Geschenkideen
Präge Initialen oder einen kurzen Schriftzug mit Buchstabenstempeln (Set ca. 15-20 Euro) in das feuchte Leder, bevor du es zusammennähst. Drücke die Stempel mit einem Holzhammer gleichmäßig ins angefeuchtete Leder – die Prägung wird nach dem Trocknen dauerhaft sichtbar.
Ein Lederetui eignet sich hervorragend als Geschenk: Materialkosten liegen bei 8-12 Euro, die Arbeitszeit bei 2-3 Stunden für Anfänger. Verpackt in Seidenpapier mit einer kleinen Karte wirkt es wie ein Profi-Produkt. Varianten: schmaler für Füller (15 x 5 cm), breiter für Brillen (17 x 9 cm) oder als Kabeltasche für Ladekabel (12 x 10 cm). Das Schnittmuster ist immer gleich – nur die Maße ändern sich.
Pflege und Alterung
Vegetabil gegerbtes Leder entwickelt mit der Zeit eine Patina: Die Farbe wird dunkler und wärmer, die Oberfläche geschmeidiger. Dieser Prozess ist gewollt und macht jedes Stück einzigartig. Pflege das Etui alle 3-6 Monate mit einer dünnen Schicht Lederbalsam (z. B. Saphir Renovateur, ca. 12 Euro), den du mit einem weichen Tuch einreibst.
Halte das Etui von Wasser fern – pflanzlich gegerbtes Leder bekommt Wasserflecken, die nur langsam verblassen. Falls es nass wird, lasse es langsam bei Raumtemperatur trocknen (nie auf der Heizung). Mit guter Pflege hält ein handgenähtes Lederetui 10-20 Jahre und sieht mit jedem Jahr besser aus.
Veröffentlicht durch die KreativMachen-Redaktion. Veröffentlicht am 6. Juli 2026.
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